Wer mich langweilig findet, darf gehen

Wer mich langweilig findet, darf gehen

Am 29.01.2015 fand in der BHAK 22 (business.academy.donaustadt.) zum bereits 4. Mal der Bildungsinformationstag statt. Um die 120 Schülerinnen und Schüler aus den Abschlussklassen versammelten sich in der Aula des futuristischen Gebäudes um Ali’s Votrag zu hören. Weitere 200 Jugendliche hatten nur wenige Stunden davor in der HLW 19 Strassergasse das Vergnügen. Ali Mahlodji hat – bevor er 2012 WHATCHADO gründete – die Schule abgebrochen, die Schule nachgeholt, studiert, 40+ Jobs hinter sich gebracht und wurde 2013 zum Europäischen Jugendbotschafter ernannt. Ein geeigneter Kandidat also um den Jugendlichen ein bisschen was über das Leben, Beruf und Berufung zu erzählen.

„Es gibt zwei Regeln“, sagt Ali, nachdem er sich als vielredender Perser und kein Experte vorgestellt hat. Man solle ihn bitte Ali und keinesfalls Herr Mahlodji nennen. Dafür, dass er älter ist, könne er nichts: „Meine Eltern haben sich nur früher kennengelernt als eure“. Die Schüler lachen. Die gute Stimmung wird gleich für ein „Selfie“ genutzt. Mittlerweile ein Ali-Classic, der bei jedem seiner Bühnenauftritte ein Selfie mit dem Publikum für Mama Mahlodji und natürlich Facebook macht. Regel Nummer 2:

Wer meinen Vortrag langweilig findet, darf gehen.

Aus der Gehirnforschung wisse man, dass wenn einen etwas nicht interessiert, man sich auch nichts merkt und sich 1 Stunde durch einen langweiligen Vortrag zu quälen wäre Zeitverschwendung. Die Schülerinnen und Schüler machen große Augen und wenden den Blick in Richtung ihres Lehrers. Prof. Peter Rak grinst. Vermutlich weiß er bereits, dass keiner die Aula verlassen wird. Er hat Ali zum zweiten Mal eingeladen, dieser stand letztes Jahr nämlich auch schon beim Bildungsinformationstag der BHAK22 auf der Bühne.

ali_selfie_bhak

Dann geht es auch schon los. whatchado’s Chief Storyteller holt weit aus: zeigt Kinderfotos, erzählt über die Flucht seiner Familie aus dem Iran und dass nach Österreich zu kommen und hier zu bleiben, die beste Entscheidung seiner Eltern war, für die er sehr dankbar ist. Er erinnert die Jugendlichen daran, dass „keiner sich ausgesucht hat, wo er geboren wird „, aber sie in Österreich das Privileg hätten,  über ihre Zukunft zu entscheiden. Keiner würde sie allerdings an der Hand nehmen und ihnen den Weg zeigen, dafür bräuchte es Eigeninitiative. Hier wird natürlich in erster Linie von der beruflichen Karriere gesprochen und das hat einen Grund. In seiner Powerpoint-Präsentation veranschaulicht Ali wie viel Zeit der Mensch im Durchschnitt mit Arbeit verbringt und wer wolle schon den Großteils seines Lebens mit etwas verbringen, dass er nicht mag und dass einem keinen Spaß macht. Dass es auch anders geht, dafür ist er das beste Beispiel. Er zeigt Einblicke hinter die Kulissen von whatchado: das motivierte Team, das gemeinsame Montagsfrühstück, die weißen Sneakers, die jeder neue Whatchadooler nach 3 Monaten im Unternehmen bekommt. Ob es einfach war? Sicherlich nicht. Ali teilt auch die Schattenseiten der Selbständigkeit und des „gegen den Strom Schwimmens“. Er erzählt wie er und sein bester Freund und Mitgründer, Jubin Honarfar, damals ausgelacht wurden, als sie Freunden und Bekannten von der Idee des Handbuchs der Lebensgeschichten erzählten. Keiner wollte so Recht daran glauben.

Doch wenn du selber an etwas glaubst, und weißt, es ist das Richtige, dann musst du dafür kämpfen.

Und es hat sich gelohnt, heute sei er glücklicher denn je. Auch glücklicher als damals, als er bei einer Unternehmensberatungsfirma gearbeitet hat und „ein dickes Auto und ordentlich Kohle auf dem Konto hatte.“ Zufrieden hat ihn das nicht gestimmt. Update: Es hat noch immer keiner den Raum verlassen. Es sind sogar einige Schüler dazugekommen, die sich im Vorbeigehen wohl gefragt haben, wer dieser Typ in Turnschuhen und Cap ist und wieso der einen Vortrag halten darf. Immer wieder wirft Ali Fragen in das Publikum und alle zeigen per Handzeichen wie viele von ihnen denn zum Beispiel ein iPhone hätten. Nachdem gut die Hälfte der Schüler die Hand hebt, sagt Ali „Und dieses iPhone wurde von Menschen wie euch und mir geschaffen. Alles was ihr um euch herum seht wurde von Menschen wie euch und mir geschaffen. Das ist der Job von jemandem.  Und ihr könnt das auch. Ihr könnt eure Umwelt mitgestalten.“ Die fast 50 Minuten Präsentation sind um – und wie im Flug vergangen.

Lauter Applaus füllt die Aula, und einige bilden eine Schlange um ein Foto mit Ali zu machen. Eine Schülerin erzählt mir sie habe keinen Plan B, ihr Plan A wäre es Tänzerin zu werden und eine Tanzschule zu eröffnen. Ali würde ihr Mut geben an ihren Traum zu glauben. Sie fügt noch hinzu „und überhaupt ist es traurig wie wenig kreative Berufe gefördert werden.“ Ein anderer Schüler ist vom Vortragsstil hin und weg: „Das war ganz anders, als die Vorträge die wir uns sonst immer anhören müssen. Ali ist voll entspannt.“

Nach ein paar Minuten, muss Ali dann auch schon wieder weg. Er muss seinen Flug nach Berlin erwischen um am selben Abend noch einen Strategy Slam hinzulegen. Grinsend läuft er aus der Schule.

Und auch ich habe ein breites Grinsen im Gesicht. Die Energie, die man von den Schülerinnen und Schülern nach so einem Vortrag zu spüren bekommt, ist überwältigend. Und wenn wir auch nur eine Person zum Nachdenken gebracht haben, dann war’s das allemal wert! Sche woars. I love what I do! 


Um noch mehr Jugendliche mit dieser Botschaft zu erreichen, haben wir bei whatchado, das Format der whatchaSKOOL ins Leben gerufen, bei der wir in Schulen gehen und mit Schülerinnen und Schülern interaktiv über das Thema Beruf und Werdegang sprechen. Unser Motte dabei:

Es gibt keine Grenzen!

Untitled design

Leave A Comment

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.