Irgendwie liest sich jedes deiner Arbeitszeugnisse gut? Das kann entweder daran liegen, dass du deinen Job wirklich gerockt hast oder an dem gesetzlichen Anspruch auf ein positiv formuliertes Arbeitszeugnis. Wir verraten dir, wie du zwischen den Zeilen liest!

Arbeitgeber sind nicht nur gesetzlich dazu verpflichtet dir ein Arbeitszeugnis auszustellen, sondern es muss auch noch folgende 2 Kriterien erfüllen:

  1. Es muss wahrheitsgemäß geschrieben sein.
  2. Es muss wohlwollend verfasst werden.

Das klingt toll? Aber Achtung, das ist es nicht immer! Denn nicht hinter jeder nett formulierten Phrase steckt tatsächlich Lob oder gar eine Empfehlung. Deswegen erklären wir dir, was deine Bewertung tatsächlich über deine Leistung aussagt.

1. Das Wichtigste steht immer zum Schluss…

…deswegen bekommt es auch am meisten Beachtung. Die Personalabteilung bekommt für eine Stellenausschreibung in der Regel mehr als eine Bewerbung. Damit die Recruiter nicht ein halbes Jahr brauchen, um sich durch die Unterlagen der Bewerberflut zu lesen, treffen sie meist eine Vorauswahl. Eine große Rolle spielt hierbei das Arbeitszeugnis – oder genauer gesagt der letzte Teil davon.

Denn dort versteckt sich eine kleine Gesamtnote deiner Arbeit. Hast du die übertragenen Aufgaben “stets zur vollsten Zufriedenheit” erfüllt, wurdest du mit „Sehr gut“ bewertet. Solltest du sie zur “vollen Zufriedenheit” umgesetzt haben, erhältst du bereits nur ein „Befriedigend“. Du siehst also, der Unterschied liegt im Detail. Hier ein schneller Notenüberblick:

1 – “Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit”
2 – “Zu unserer vollsten Zufriedenheit”
3 – “Zu unserer vollen Zufriedenheit”
4 – “Zu unserer Zufriedenheit”
5 – “Im Allgemeinen/im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit”
6 – “Hat sich bemüht Aufgaben zu unserer Zufriedenheit zu erfüllen”

 

2. Achte auf die Wortwahl

Ein sehr gutes Arbeitszeugnis wird vermitteln, dass du in deinem Job immer 120% gegeben hast und diese auch zu Erfolg geführt haben. Das bedeutet die Worte “immer” und “stets” tauchen häufig darin auf. Gepaart mit überschwänglichen Adverbien wie “herausragend”, “vollste”, “im höchsten Maße” oder “uneingeschränkt” bescheinigen sie dir eine sehr gute Leistung. Sollten weder die genannten Signalworte noch hochtrabende Adverbien in deinem Zeugnis erscheinen, ist das ein Hinweis auf eine mittelmäßige Bewertung.
Also merke dir: Je mehr positive Superlative in deinem Zeugnis zu finden sind, desto besser ist es!

3. Nicht alles ist so, wie es scheint

Damit Unternehmen etwas über die sozialen Eigenschaften, die Charaktereigenschaften, als auch die allgemeine Arbeitseinstellung eines Kandidaten erfahren, gibt es ein paar versteckte Botschaften, die es zu beachten gilt.

Falls du dich gefreut hast, dass dein ehemaliger Chef dir für deine Zukunft vor allem Gesundheit wünscht, solltest du ihn noch einmal fragen, was genau er damit aussagen wollte. Denn im Personaler-Wörterbuch bedeutet das, dass du häufig gefehlt hast und krank warst.

Wird beispielsweise hervorgehoben, dass du für die Belange der Belegschaft viel Einfühlungsvermögen gezeigt hast, bedeutet das nicht etwa, dass du dich im Betriebsrat oder bei Teamevents engagiert hast. Vielmehr weist es auf ein offensives Flirtverhalten gegenüber deinen Kollegen hin.

Auch „ein gesundes Selbstvertrauen“ lässt nicht auf einen guten Charakter schließen, sondern eher auf Arroganz. Wenn du auf Firmenfeiern des Öfteren zu tief ins Glas geschaut hast, könnte das ebenfalls zwischen den Zeilen stehen. Denn ein Hinweis auf eine “Verbesserung des Betriebsklimas durch Geselligkeit” bedeutet genau das!

Natürlich solltest du nicht jede einzelne Phrase hinterfragen, aber ein genauer Blick auf Doppeldeutigkeiten kann sicherlich nicht schaden. Im Zweifelsfall frage einfach direkt nach, was damit gemeint ist und bitte gegebenenfalls die Personalabteilung oder deinen Chef die entsprechenden Passagen umzuschreiben. Spätestens bei der Reaktion auf diese Bitte weißt du dann auch, wie es wirklich gemeint war.

4. Befriedigend als allgemeiner Anspruch

Um bei einem Jobwechsel oder nach einer Kündigung schnell wieder einen guten Job zu finden, hat der Arbeitnehmer prinzipiell ein Recht darauf, ein Arbeitszeugnis mit der Note „Befriedigend“ zu erhalten. Bei einer schlechteren Bewertung ist der Arbeitgeber in der Beweispflicht – das bedeutet er muss begründen können, woher die negative Einschätzung kommt. Persönliche Differenzen haben hier keinen Platz. Wurdest du mit einem „Befriedigend“ bewertet, hättest aber lieber eine bessere Note, liegt die Beweispflicht allerdings bei dir und du musst gute Gründe für deinen Änderungswunsch liefern.

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Don’t underestimate your Arbeitszeugnis!

Arbeitszeugnisse sind wirklich wichtig und belegen nicht nur, dass du eine Arbeit gemacht hast, sondern du kannst damit auch zeigen, wie gut du warst! Deswegen solltest du nicht nur nach einer Festanstellung ein Zeugnis verlangen, sondern auch nach Freiwilligenarbeit oder einem Praktikum.
Ein potenzieller neuer Arbeitgeber kann so auch gleich sicher gehen, dass du dir die Daten in deinem Lebenslauf nicht ausgedacht hast. Außerdem läufst du nicht Gefahr, lästige Fragen über ein fehlendes Zeugnis beantworten zu müssen.

Du hast alle Arbeitszeugnisse beisammen? Dann schreibe ein Motivationsschreiben, aktualisiere deinen Lebenslauf und bewirb dich! Damit nicht nur deine Bewerbungsunterlagen glänzen, sondern auch du als Person, haben wir hier noch ein paar Tipps gegen Nervosität beim Bewerbungsgespräch für dich!