Snapchat, YouTube Videos und WhatsApp haben nichts mit Hochschulen zu tun? Wenn Sie das annehmen, sollten Sie dringend das Hochschulbarcamp besuchen und sich ein Bild über die Ansätze im Hochschulmarketing machen.

Am 15. und 16. Februar kamen in Essen Social Media Manager und Mitarbeiter der Kommunikationsabteilungen von 61 Universitäten aus ganz Deutschland zusammen, um sich in lockerer Barcamp Atmosphäre über die neuesten Trends im Hochschulmarketing auszutauschen. Dabei war auffällig, dass Hochschulen marketingtechnisch vor den gleichen Problemen stehen wie Unternehmen. Wie kann man die Aufmerksamkeit der jungen Zielgruppe erreichen und seine eigene Brand möglichst attraktiv darstellen? Die genauen Themen für die 2 Barcamp-Tage durften von jedem vorgeschlagen werden und anschließend wurde per Abstimmung entschieden, welche es in die Sessions schaffen. Im Fokus stand immer die Frage: Wie erreichen wir Studieninteressierte?

 

Virutal Reality und 360 Grad Videos: Von Zuhause durch den Campus

360 Grad Aufnahmen – egal ob im Video- oder Fotoformat – ermöglichen uns ein realeres Erlebnis über den Screen. Spätestens seit es auf Facebook jedem ohne zusätzliche App möglich ist, Panoramaaufnahmen als 180 Grad Foto online zu stellen und mit Apps oder Google Streetview 360 Grad Fotos zu produzieren, ist diese Art der Bildkommunikation auch im Alltag angekommen. Vorteile davon sind nicht nur eine reale Abbildung des Ortes, sondern auch ein möglicher Rollentausch. Während früher der Fotograf entschieden hat, was der Konsument sieht, hat dieser nun die Freiheit selbst zu entscheiden, was er sehen möchte.

Über Facebook lässt sich genau das tracken, indem nachvollzogen werden kann, wie viele User auf einer Einstellung verweilen. Das bringt einige Vorteile mit sich: Eine Universität kann so beispielsweise nachvollziehen, was Studenten an ihrem Hörsaal oder Seminarraum am interessantesten finden. Sehen sie sich lieber das neue White Board an oder die Kaffeemaschine? Anschließend können die Gegenstände mit der größten Aufmerksamkeit promotet werden. Auch vom Campus können sich Studieninteressierte mittels 360 Grad Fotos und Videos ein besseres Bild machen. Noch besser geht das übrigens mit VR, also Virtual Reality. Ähnliches lässt sich übrigens auch auf Unternehmensebene anwenden.

 

Pause zwischendruch

 

Influencer Marketing und der klassische Student

Sogenannte Influencer spielen im Content Marketing eine immer größere Rolle. Sie erreichen je nach Spezialgebiet verschiedene Zielgruppen und haben meist ein breites Publikum – sei es über einen YouTube Channel oder einen Blog. Das können sich Universitäten zu Nutzen machen, indem sie die richtigen Kooperationen anstreben. Allerdings sollten sie sich vorher genaue Gedanken machen, was sie für eine Kampagne möchten, welcher Blogger geeignet ist und was sie für die Kooperation beisteuern, wie Bloggerin Luisa Todisco von StudierenPlus erklärt.
Eine weitere Herausforderung: Den klassischen Studenten, der mit 18 Jahren sein Studium beginnt und Mitte 20 die Hochschule wieder verlässt, gibt es nicht mehr. Manche Studenten orientieren sich im Alter von 40 Jahren noch einmal um oder haben bereits Familie. Das macht die richtige Kommunikation umso entscheidender.

 

Die Geschichte mit den Stories

Mittlerweile ist Snapchat nicht mehr der einzige Anbieter der sogenannten Stories. Auch Instagram hat die kurzen Videoclips, die nach 24 Stunden wieder verschwinden, in seine Features mit aufgenommen. Derzeit wird die Funktion, egal bei welcher App, von Hochschulen sowie Unternehmen noch eher stiefmütterlich behandelt. Dabei liegt viel Potenzial darin, um einen authentischen Blick hinter die Kulissen zu geben und seine uni culture vorzustellen. An der Uni Bochum wird das beispielsweise mittels Takeover durchgeführt. Studenten verwenden für einen Tag den Snapchat Account der Universität und stellen ihre Erlebnisse vor. Studieninteressierte können sich so ein Bild davon machen, ob ihnen der Unialltag in Bochum gefällt.

Wichtig jedoch: Für Snapchat & Co. benötigt man eine Person, die sich nicht scheut auch vor der Kamera zu agieren. Ansonsten gilt es sich zu trauen, Dinge auszuprobieren. Schließlich verschwinden die kurzen Videos nach 24 Stunden wieder. Sicherlich fragen Sie sich jetzt, warum Content produzieren, der so schnell wieder verschwindet? Ganz einfach: Er erreicht die Zielgruppe und vermittelt ihnen ein Gefühl von Exklusivität.

 

whatchaDUCK vor der Twitterwall

Im Gespräch mit Philip Dunkhase und Holger Gottesmann

Zum Abschluss des Barcamps haben wir mit den beiden Veranstaltern Philip Dunkhase, Referent des Hochschulmarketings der Leuphana Universität und Vorstandsmitglied bei alumni-club.net, und Holger Gottesmann, Alumnimanager der FOM Hochschule für Oekonomie und Management, über das Hochschulbarcamp und Marketing gesprochen.

Warum ist Hochschulmarketing mittlerweile so wichtig?

Philip Dunkhase: Die Hochschulen stehen zunehmend alle im Wettbewerb. Auch im internationalen Wettbewerb und zwar nicht nur im Bereich Studierendenmarketing, sondern auch im Bereich Forschung, im Bereich Nachwuchskräfte für Hochschulen und gerade im internationalen Bereich müssen die deutschen Hochschulen nachlegen und sichtbar werden. Mit ihren Webauftritten, über Social Media Kanäle und über die klassische PR hinaus.

Welche Trends gab es in diesem Jahr auf dem Hochschulbarcamp zu sehen?

Holger Gottesmann: Es gibt immer neue hippe Plattformen. Das letzte Mal [2016] war Snapchat ganz heiß und alle hatten davon gehört, keiner hatte Erfahrungen und einer hat es einfach allen erklärt und danach waren alle begeisterte Snapchatter. Diesmal war es mit Jodel ganz spannend. Auf einmal haben sich alle die App installiert und das einfach mal ausprobiert. […] Welche Inhalte laufen gerade besonders gut, was will die Zielgruppe haben? So zum Beispiel der anhaltende Trend zum Thema Bewegtbild oder Livekommunikation. Da hingen alle an den Lippen des Referenten. Weil es für alle ein Thema ist, auch mal selbst wie ein kleiner Fernsehsender von Events zu berichten.

 

Veranstalter Hochschulbarcamp

 

Wie sieht die Mediennutzung der Zukunft aus?

Philip Dunkhase: Wir sehen in Umfragen, dass sich Studierende zunehmend auf YouTube oder auf anderen Plattformen über Bewegtbilder informieren. Das ist der eine Trend. Der andere Trend ist, dass es tausende von Informationsquellen im Netz gibt, über Studium und Berufsorientierung. Und die Frage ist, welche Informationen überhaupt aktuell sind, welche sind relevant, welchen kann ich vertrauen? Was heutzutage noch authentisch ist, sind Erfahrungsberichte von Studierenden oder von ehemaligen Absolventen, also von Alumni. Das sind im Endeffekt die wichtigen Botschafter, im Online Marketing sprechen wir von Influencermarketing. Und da hilft keine Hochglanzbroschüre oder eingekaufte Printanzeige. Es sind im Endeffekt die Erfahrungen auf Bewertungsportalen und eben von Studierenden und Mitarbeitern, die über das Gute, aber auch über das Schlechte berichten. Und es gehört eben auch dazu, mit solcher Kritik umzugehen.

Wie können Hochschulen ihr Marketing verbessern?

Philip Dunkhase: Ein Lösungsansatz ist, dass eine Umdenke stattfinden muss. Die Hochschulen sind noch viel in der klassischen PR unterwegs. Wenn wir große Hochschulen haben mit über 30.000 Studierenden, die alle affin mit den neuen Medien sind, können wir davon ausgehen, dass jeder Student mindestens ein internetfähiges mobiles Endgerät hat, wenn nicht sogar zwei. Und wenn man immer nur mit Ängsten umgeht – mit Shitstorm Geschichten, mit Cybermobbing – und sich nicht an die neuen Medien herantraut, kommt man dem Informationsbedarf und dem veränderten Mediennutzungsverhalten eben nicht hinterher. Man sollte sich nicht nur hinter den Risiken, den Schwächen und den Datenschutzgeschichten verstecken, sondern auch mal die Chancen sehen und auch auf das veränderte Mediennutzungsverhalten eingehen.

 

Mein Fazit des 3. Hochschulbarcamps

Die Probleme in Hochschulen unterscheiden sich gar nicht so essenziell von denen in anderen Marketing- und Kommunikationsabteilungen. Nimmt man an, dass die Hochschule ein Unternehmen ist und die Studieninteressierten Bewerber, dann lässt sich erkennen, dass beide nach den geeigneten Kandidaten suchen. Bei Hochschulen sind es Studenten, die gut in den Unialltag passen und die sich vorher ein Bild über den Studiengang gemacht haben, um so die Abbruchquote zu verringern. In Unternehmen sind es Mitarbeiter, die sich in die Unternehmenskultur einfügen und möglichst zu High Performern werden. Somit lassen sich viele der vorgestellten Hochschulmarketing Konzepte auch für Unternehmen anwenden.

Generell gab es wieder viele spannende Themen und neue Einblicke in Apps, die man auch gleich ausprobieren konnte. Sei es beim Jodeln oder beim Produzieren von 360 Fotos. Deswegen lautet mein Fazit für das nächste Jahr: Mehr Speicherplatz auf meinem Smartphone!

Noch mehr Marketingwissen gefällig? Wir erklären, was Personalmarketing vom modernen Marketing lernen kann.