Wir befinden uns mittlerweile in einer Phase, in der man sich eingestehen muss, dass Coding die neue Weltsprache ist. Ist Ihnen aufgefallen, dass die Superhelden der Neuzeit nicht länger muskelbepackt sind und sie ihre Unterhose nicht mehr über der Leggins tragen?

Die neue Superkraft heißt Maschinensprache und Coding. Wir erinnern uns an den Zeichentrickfilm Baymax, in dem ein kleiner Junge Botarmeen befehligt und so das Gute durchsetzt. Auch der Hauptdarsteller von Who am I besitzt diese Superkräfte und vollbringt schier unglaubliches. Unglaubliches? Sicherlich nur aus dem Blickwinkel einer Person, die nicht coden kann!

In Teilen leben wir digital

Ein Teil von uns besteht bereits heute „nur“ noch aus Nullen und Einsen. Die meisten unserer Daten existieren ausschließlich digital. Seien es Einkaufsdaten, Kreditkartenabrechnungen, die Krankenakte oder Personalakte – alles fein säuberlich ausgedrückt in 0 und 1. Wie viel Prozent dessen, was uns als Mensch ausmacht bereits digitalisiert wurde, vermag ich nicht zu sagen. Dennoch, die meisten Bestrebungen neuer StartUps im Bereich der Eignungsdiagnostik – Menschen anhand ihres social Media Verhaltens einschätzen zu können – weisen deutlich darauf hin: in Teilen leben wir digital. Dabei halten Sie sich bitte vor Augen, dass die Digitalisierung unserer selbst nicht zwangsweise Online erfolgen muss. Ihre Smartphones zeichnen Ihr Bewegungsprofil in der realen Welt auf. Die modernen Autos zeichnen Ihr Fahrverhalten in der realen Welt auf. Eine Trennung zwischen digitaler und realer Welt macht heute schon keinen Sinn mehr.

Horrorszenarien oder Zukunftsvisionen?

Nun ist die Frage: sind das Horrorszenarien oder tolle Zukunftsvisionen die ich hier skizziere? Um diese Veränderungen richtig einordnen zu können, lohnt es sich einen Blick in die Vergangenheit zu werfen. Nach Yuval Noah Harari (Bestsellerautor „homo deus“) ist gerade die Betrachtung der Vergangenheit wichtig, um die Zukunft einordnen zu können. Gehen wir einige Jahrzehnte zurück, so kommen wir in eine Zeit, in der Aufzeichnungen gesundheitsschädliche Folgen des Lesen dokumentieren. Lesende Menschen litten laut diesen Aufzeichnungen an einer plötzlichen Trägheit, konnten sich nur noch eingeschränkt bewegen und saßen vermehrt still in der Ecke herum. Es sei daher gefährlich zu lesen. Einige Jahre später warnen Berichte, man solle sich nicht schneller als 25 km/h fortbewegen, da die Auswirkungen auf den eigenen Körper fatal sein könnten. Technische Errungenschaften wie die Eisenbahn seien unverantwortlich und führten zu dem endgültigen Untergang der Menschheit.

Ich übertreibe ein wenig um meinen Kernpunkt deutlich zu machen. Mangelndes Verständnis führte zu Ablehnung und Aussagen, die wiederum mangelndes Verständnis hervorriefen.

Der fehlende Umgang fördert Vorbehalte

Diese Beispiele sind Klassiker. Erinnern Sie sich an die „Ablösung“ der Papierbewerbung? Oder die aktuelle Diskussion um Videobewerbung. Bei einer objektiven Betrachtung handelt es sich bei Videobewerbung um den nächsten logischen Schritt. Aber schlagen Sie mal zum Test einem/r PersonalerIn – der/die einen YouTube Channel pflegt oder zumindest vertiefende Kenntnisse im Bereich Video besitzt – den Gedanken vor, auf 100% Videobewerbung umzusteigen. Äußern Sie diesen Gedanken ebenfalls gegenüber jemandem aus unserer Branche der/die auch heute noch Videointerviews meidet. Die Antworten können Sie sicherlich erahnen. Der fehlende Umgang mit dem Medium wird, in Kombination mit bestehenden Wissenslücken, Vorbehalte erzeugen und die Gedanken als “Teufelszeug” einstufen.

Empfinden wir die von mir eingangs skizzierten Szenarien also deswegen als gruselig, weil wir sie nicht verstehen – weil wir die dementsprechende Sprache nicht verstehen?

Das kleine gallische Dorf der HRler

Wir richten Schulen, Fortbildungen und Berufsausbildungen auf diese neue Sprache der Welt aus. Bereits im Kindergarten wird unser Nachwuchs mit der Fremdsprache “Coding” konfrontiert und erlernt die Basiskenntnisse spielend. Man könnte sagen, die Welt wird “aufgeschlaut” – die ganze Welt? Nein, denn ein kleines gallisches Dorf scheint sich noch zu wehren: das Dorf der HRler.

Sind wir es, die bald Programme schreiben müssen? Nein, müssen Sie nicht. Es geht tatsächlich nur ums tägliche Überleben. Erst kürzlich wurde RIOT veröffentlicht. Ein Messenger, der die Fähigkeit besitzt viele andere Messenger zu vereinigen. Vielleicht geht es Ihnen ähnlich. Ein Teil Ihrer Freunde ist auf WhatsApp, ein anderer Teil auf Threema. Die Arbeitskollegen Slacken und ein weiterer Teil nutzt den Facebook Messenger. Und dann gibt es da noch die Kollegen aus Asien, die WeChat nutzen und so weiter. RIOT positioniert sich derzeit als Knotenpunkt ihres Messenger-Lebens. Allerdings wirklich nutzbar nur für all diejenigen, die wissen wie solche Dienste aufgebaut sind und zumindest schon einmal von einem Webhook gehört haben.

Zunehmend mehr Tools setzen Basiskenntnisse im Bereich „einfache Programmierung“ voraus. Das geht in Teilen so weit, dass Unternehmen Plattformen einrichten, auf denen Mitarbeiter repetitive Tätigkeiten unter Zuhilfenahme einer einfachen Programmiersprache automatisieren können. Ein sehr gutes Beispiel ist hier die Telekom mit ihrem Projekt FEA. Über FEA habe ich die Möglichkeit unterschiedlichste Tätigkeiten automatisieren lassen, sofern ich die Programmiersprache kenne, oder jemand der die Sprache kennt Zeit für mich hat.

Die gute Nachricht: Basiswissen ist direkt anwendbar

Lets talk nerdy (Cudos an functionHR) – trifft es auf den Punkt. Die Digitalisierung zu verstehen heißt in erster Linie die Sprache der Digitalisierung sprechen zu können. Als Treiber der Digitalisierung, eine Rolle in der wir uns als HR Bereich gerne sehen würden, kommen wir nicht länger darum herum, uns dieser Sprache anzunehmen. Dabei geht es vordergründig erst einmal darum ein Verständnis dafür zu entwickeln, was Coding heißt und wie die Welt in der man das “spricht” aufgebaut ist. Die gute Nachricht ist: dieses Basiswissen ist bereits direkt anwendbar – Sie könnten also im Handumdrehen loslegen und Ihren ersten ChatBot auf Flowxo bauen.

Wen ich ein wenig begeistern konnte möchte ich gern einladen, auch einen Blick auf den HR Code Salon zu werfen (Xing Event https://www.xing.com/events/hr-code-salon-1903861).

Denken Sie daran: es geht um den Erhalt Ihrer Arbeitsfähigkeit!